Carlo Marcon lebt mit seiner Frau seit 16 Jahren in Hatzenport. Oben auf dem Berg mit einem weiten Blick tief hinein in das Tal und auf den Ort. Hobbywinzer ist er, Fotograf seiner neuen Heimat, als zweiter Vorsitzender im Fremdenverkehrs- und Heimatverein und auch in anderen Vereinen engagiert er sich. Soldat war er, kein normaler, er war ein Minenräumer. Er redet wenig darüber. Seit 35 Jahren hat er ein Hobby: Bogenschießen.

Von Hans-Peter Schössler

Das begann, als er noch in Lahnstein stationiert war. Als Sportschütze nahm er an Deutschen Meisterschaften und Europameisterschaften teil. Marcon ist auch Bogensportleiter. Das ist aus sicherheitstechnischen Gründen wichtig. Er darf alle Arten von Meisterschaften aufbauen und bei anderen Vereinen Parcoure abnehmen. Vor acht Jahren organisierte er zum ersten Mal in Hatzenport ein 3D-Turnier für Feldbogenschützen. Die sind nicht olympisch, aber der Sport ist kaum weniger spektakulär. Die meisten der Feldbogenschützen sind im Deutschen Feldbogenverband organisiert, dem Dachverband.

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»Es geht um Spaß und um die Ehre«

Am 19. März gab es das Treffen wieder. Das ganze Dorf war eingebunden. Auf einem vier Kilometer langen Parcours musste an 30 Stationen geschossen werden. 180 Teilnehmer waren angetreten, darunter solche aus Holland, Frankreich und Luxemburg. Im Winzerhof von Klaudia und Bernhard Ibald war die Schaltzentrale. Hier war die Anmeldung und eine von zwei Verpflegungsstationen. Von den Startgebühren, den Geldern einiger weniger Sponsoren und dem Verkauf von Getränken und kleinen Speisen finanziert sich das Turnier der Bogenschützen. Geldpreise zu gewinnen gibt es nicht. Es geht um die Freude an diesem Sport, um Spaß und die Ehre, einen der begehrten Preise in den Händen zu halten, die Carlo Marcon selbst herstellt. Es sind Gipsmodelle des Trauben naschenden Hasen, dem Wahrzeichen des Hatzenporter Weinwanderweges.

In die Welt des »Robin Hood« zurückversetzt

Und für manchen der Schützen ist das Turnier auch eine ideale Vorbereitung auf ihre Teilnahme an Deutschen Meisterschaften oder Europameisterschaften.
Es gibt auch eine Tombola, deren Erlös seit Jahren an das Koblenzer Kinderhospiz geht. Mittlerweile sind mehr als 3000 EURO überwiesen worden. Die Gemeinde und der Heimatverein organisieren das Turnier, das in fünf Klassen und in unterschiedlichen Bogenarten stattfindet. Die Sportler ziehen von Station zu Station und Hatzenport scheint manchmal in die Welt des »Robin Hood« zurückversetzt. Aber das scheint nur so.

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Wanderer bleiben stehen und staunen

Unter den Teilnehmern ist ein 76jähriger Deutscher Meister, der auch die Europa- und Weltmeisterschaft gewonnen hat. Aus allen Ecken tauchen Bogenschützen auf, um die verschiedenen Wettkampfstätten zu suchen. Wanderer bleiben stehen und staunen, die Einheimischen zeigen sich interessiert und auch die Autofahrer fahren spürbar langsamer an der Mosel vorbei, weil auch am Ufer des Flusses einige Ziele aufgebaut sind. Es ist kein Belagerungszustand und wenn, dann ein angenehmer.

Carlo Marcon hat eine stoische Ruhe

Und mittendrin ist Carlo Marcon mit seiner stoischen Ruhe. Nur ab und an blinzelt so etwas wie Stolz aus ihm heraus, weil das Turnier wieder einmal ein voller Erfolg war. Das genügt ihm. Er möchte seinen Sport zeigen, Neugierigen ein klein wenig Lust darauf machen, in der Hoffnung sie irgendwann bei einem Turnier begrüßen zu dürfen. Und eins ist sicher: In einem Jahr kommen sie wieder in Scharen zum Bogenschießen an die Mosel. Dann erhalten sie den Blick in eine Sportart, die für viele der Schützen ganz sicher der schönste Sport der Welt ist.

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