Eigentlich hatte Matthias Schlegel gar nicht mehr damit gerechnet: Doch dann kam das Schreiben des Auslandsschuldienstes. Es geht nach Südafrika – er wird an einer deutschen Schule unterrichten. Im WochenSpiegel Auswanderer-Tagebuch berichtete er regelmäßig über seine Erlebnisse. Nun ist er wieder in Mayen und zieht Bilanz: Die Wahrheit über Afrika, eine fremde Kultur und das Auswandern.

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Seit einem halben Jahr ist Matthias Schlegel wieder in Deutschland, in seiner Wahlheimat, in Mayen. Er hat schnell zum alten Rhythmus zurückgefunden, gleich eine neue Wohnung gemietet, ein Auto gekauft und gibt schon wieder Unterricht am Gymnasium in Bad Neuenahr. In seinen Gedanken schwebt er aber manchmal immer noch in Erinnerungen an das Abenteuer Südafrika. Vier Jahre lang unterrichtete er dort an der Deutschen Internationalen Schule Johannesburg, ging auf Safari, erkundete auf eigene Faust die Großstadt, die doppelt so groß ist wie Berlin. Doch wie war sein Trip eigentlich? Paradies oder Hölle? »Beides«, sagt Schlegel trocken. 15, Seymour Avenue, 2193 Parktown – dort hatte er sich nach einem Zwischenstopp niedergelassen. Eine gute Wohngegend, nur ein paar Minuten von seiner Schule entfernt. Ein wichtiger Faktor, denn die Uhren ticken in Afrika definitiv anders. »Es wird sehr schnell dunkel in Johannesburg und wenn es dunkel ist, dann sind die Straßen leergefegt.« Das gilt auch für Autos – kaum jemand fährt nach Einbruch der Dunkelheit, die die Millionenmetropole nach spektakulär orangefarbenen Sonnenuntergängen um spätestens 19 Uhr wie eine schwarze Decke einhüllt.

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»I will kill you!«

Ein Paradies für Kriminelle: »Am Tage ist es eigentlich sehr sicher, gerade an den belebten Orten sind viele Securities unterwegs. In der Dunkelheit herrschen allerdings andere Gesetze. Kolleginnen und Kollegen berichteten Schlegel immer wieder von Zwischenfällen, dabei gehen die Täter dreist und ohne Hemmungen vor: »An einer roten Ampel schlugen sie die Scheibe des Autos ein, schnappten sich die Handtasche, sprangen über einen Zaun – das ganze dauerte nur Sekunden, die Täter waren nicht mehr zu sehen.« Auch in Sachen Wohnungseinbrüche gelten in Südafrika andere Gesetze: »Einbrüche sind ein enormes Problem, es kann jederzeit jeden treffen.« Eher »harmlos« sind dabei Räuber, die in verlassene Häuser einsteigen und sich schnell das Wertvollste greifen. »Problematisch sind Banden: Sie warten, bis du die Tür aufgeschlossen hast, halten dir dann eine Waffe von hinten an den Kopf und sagen mit eiserner Stimme: ,Give me your money or I will kill you!‘«

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»Der Spirit fasziniert«

Schlegel wurde von diesen Horrorszenarien verschont. Insbesondere, weil er eine Regel strikt einhielt: »Du musst »streetwise« sein! Das heißt, du musst die Straßen kennen, in denen du dich bewegst. Bevor man aus dem Haus geht, schaut man sich die Route im Internet an, wenn man die Gegend noch nicht so gut kennt, legt fest, wann man wo sein will und wann es wieder zurückgeht.« Durch diese Maßnahme und durch eine gewisse Wachsamkeit konnte der 43-jährige alle brenzligen Situationen vermeiden. Zugleich sind diese Vorsichtsmaßnahmen aber auch ein enormer Verlust der Lebensqualität: »Die Bewegungsfreiheit abends in Johannesburg ist sehr stark eingeschränkt. Einfach mal in die Stadt fahren, ein paar Bier trinken und das Auto stehen lassen? Johannesburg abseits der belebten Zentren auf eigene Faust erkunden? Nicht ohne!« Die Hintergründe für die hohe Kriminalität in der Großstadt hat Schlegel schnell erkannt. »Die Schere zwischen Arm und Reich ist gigantisch groß. Es gibt zu viele Menschen ohne Perspektive – sie müssen kriminell werden, um zu überleben.« Trotz der eigeschränkten Bewegungsfreiheit bezeichnet der Mayener seinen Aufenthalt in Südafrika als »Volltreffer«. Besonders fasziniert hat ihn die Natur des Kontinentes. In seinen freien Wochen stürzte er sich immer wieder ins Abenteuer, ging mit Freunden auf Safari, fuhr mit seinem KTM-Motorrad über Kilometer lange Strände oder besuchte mit dem Geländewagen abgelegene Regionen. »Ich habe in Südafrika, im kleinen Königreich Lesotho, in Botswana, Namibia Swasiland oder aber auch Mosambik wunderschöne Orte besucht – diese Bilder bleiben im Gedächtnis.« Doch auch der Alltag bereitete dem 43-jährigen Freude. »Das Unterrichten war anders, weniger strukturiert. Es hat dennoch Spaß gemacht. Besonders meine Abiturklasse ist mir ans Herz gewachsen.« Viele seiner ehemaligen Schüler studieren mittlerweile übrigens in Deutschland.
Besonders fasziniert hat ihn auch der Spirit der Afrikaner. »Egal wie schlecht es ihnen geht, egal wie viel Stress sie haben – die Laune bleibt meist oben. Diese Gelassenheit spürt man zum Beispiel beim Einkaufen im Supermarkt, dort kann man seine Sachen ganz in Ruhe an der Kasse einräumen«, lacht Schlegel. Dennoch war für ihn klar, dass er sein Engagement in der fremden Kultur nicht weiter verlängern will. »Die vier Jahre waren eine gute Zeit, aber ich habe die Heimat doch sehr vermisst. Ich würde es auch wieder machen, aber ebenfalls nur befristet.«

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Reisetipps für Leser des WochenSpiegel

Für Touristen empfiehlt Schlegel Südafrika und Johannesburg derweil uneingeschränkt: Das Land habe unheimlich viel zu bieten, sei im Grunde sehr sicher und verhältnismäßig günstig.
Einen besonderen Service bietet er übrigens für alle WochenSpiegel-Leser an. Wer einen Trip ins südliche Afrika plant, kann von ihm eine Mail (schlegel.matthias@gmx.de) mit Reisetricks und Geheimtipps für seinen Traumurlaub erhalten.

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